| Rainer K. Liedtke "Übrigens..." |
Antidepressiva – kaum besser als Placebo?
September 2, 2010Eine neue Analyse klinischer Wirksamkeits-Studien bei Antidepressiva äussert, dass sie nur “marginal” mehr bewirken als Placebo. Sie spricht zudem über “Befangenheit” der analysierten Studien und deren häufige Mängel im Aufbau, womit sie geradezu klare Aussagen unterliefen. Die Wirksamkeit der Therapien der Studien läge somit vermutlich noch niedriger als die dort schon nur als “mässig” angegebene. Die Autoren fordern daher eine Neubewertung des gegenwärtigen Behandlungs-Standards von Depressionen.
Anmerkung: Antidepressiva sind oft in der Schmerz-Therapie eingesetzt. Placebo-Effekte können dort bis ca 30% der Wirkungsverbesserung ausmachen.
Migräne Kopfschmerz – genetisch bedingt?
September 1, 2010Wissenschaftler verglichen Gen-Daten von Migräne-Patienten und Gesunden. Sie berichteten nun (“Nature Genetics” 2010) über einen hierbei aufgefundenen „Gen-Marker”, der auf ca. 20% höheres Risiko für Migräne hinweise. Dieser könne an der Regulation von Glutamat beteiligt sein. Kopfschmerz würde daher, möglicherweise, durch Glutamat-Überschuss an Nerven-Synapsen (Kontaktstellen zwischen Nerven) ausgelöst. Daraus ergäbe sich auch ein potenzieller Ansatz für neue Medikamente.
Anmerkung: Dass Glutamat u.a. Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen kann („Chinarestaurant Syndrom”) ist schon lange bekannt.
Schmerzstoff Diclofenac – besondere Vorsicht geboten
August 28, 2010Der bekannte wie verbreitete Wirkstoff Diclofenac (u.a. in Voltaren®) hat nicht nur, wie auch andere Schmerzmittel, das Risiko gefährlicher Nebenwirkungen an Magen-Darm, Nieren und Leber (Risiko von Leberschäden gilt übrigens auch für Anwendung von Voltaren® Gel). Er zeigt gegenüber anderen Antiphlogistika insbesondere ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Infarkt wie auch Bluthochdruck.
Im Beipack-Zettel zu Diclofenac findet sich aber hierzu als Patienten-Infomation lapidar ein „…möglicherweise mit einem geringfügig erhöhten Risiko für Herzanfälle (“Herzinfarkt”) oder Schlaganfälle verbunden“. Zur Aussage des „möglicherweise“ und „geringfügig“: Zum Herz-Risiko tritt Diclofenac in der medizinisch-wissenschaflichen Literatur besonders negativ hervor. Z.B. publizierten englische Mediziner (British Medical Journal, 2005), dass es das Herzinfarkt-Risiko um ca. 55% erhöhte. Andere medizinische Literatur sagt: „..von den älteren nichtselektiven Stoffen hatte Diclofenac das höchste Risiko ….. wirft ernste Fragen zur Sicherheit von Diclofenac auf“ (Journal American Medical Association, 2006;296(13):1633), oder „ … Diclofenac und Rofecoxib (Anm: „Vioxx®„) zeigten die nachteilhaftesten Nutzen-Risiko Raten..“ (Arthritis Rheum. 2006;54(11):3390). Anmerkung: Das Schmerzmittel Vioxx® musste durch seine sehr zahlreichen Herzinfarkt-Todesfälle vom Markt genommen werden.
Der Hersteller des Voltaren machte schon mit einer neueren, chemisch sehr engen, Variante des Diclofenac, “Prexige®” (Lumiracoxib), schlechte Erfahrung. So konnte er dieses Schmerz-Produkt, u.a. wegen erheblicher Leber-Schäden, nicht auf den Europäischen und USA Markt bringen, bzw. wurde es (z.B. Australien, Kanada) dadurch vom Markt genommen. Auch hier fanden sich zuerst noch positiv “relativierende” Darstellungen (Kritische Anmerkungen zu den klinischen Prüfungen u.a. Int J. Clin. Invest. (2006) 116; 4).
Calcium-Präparate – über Arteriosklerose zum Herzinfarkt?
August 21, 2010Die Behauptung vor allem das Nahrungs-Cholesterin erzeuge Arteriosklerose, und hierüber Herzinfarkte und Schlaganfall, kann wohl als schon mehrfach widerlegt angesehen werden. Demgegenüber besteht ein, auch durch Studien bestätigter, Zusammenhang zwischen Calcium-Ablagerungen (“Verkalkungen”) und Arteriosklerose. Es erklärt die in wissenschaftlichen Studien beobachtete Zunahme an Infarkten bei längerer Einnahme von Calcium-Präparaten.
Dieser “Calcium-Mechanismus” lässt zudem noch eine ganz andere Seite besser verstehen: Die, ebenfalls durch klinische Studien belegte, Zunahme an Herzinfarkten bei längerer Einnahme bestimmter Schmerzmittel (Antiphlogistika). Der Ablauf dort beruht vermutlich darauf, dass diese, über eine in den Körperzellen erzeugte “Calcium-Ansammlung”, zu “Verdickung” und “Verkalkung” von Blutgefässen führen. Der Effekt scheint bei Nieren-Erkrankungen besonders rasch und ausgeprägt. Mutmasslich ist daher eine Kombination von Calcium-Präparaten mit solchen Schmerzmitteln besonders brisant.
Cannabis – als Schmerz-Medikament?
August 18, 2010Cannabis ist eher als “Rauschmittel” bekannt. Nach einer neueren Umfrage befürworten allerdings ca. 75% der Deutschen auch dessen medizinischen Einsatz. Dieser Trend das Arsenal an Schmerz-Medikamenten zu erweitern, könnte auch auf den beträchtlichen Nebenwirkungen derzeitiger “konventioneller“ Schmerzmittel beruhen. Es besteht danach weiterhin medizinisch Bedarf nach wirksamen und sicheren Schmerzmitteln!
Zubereitungen aus Cannabis-Pflanzen werden in der “Erfahrungs-Medizin” („Volksmedizin“) schon lange therapeutisch nutzbare Effekte zugeschrieben. Dies betrifft, unter anderem, schmerzhaft-spastische („krampfartige“) Lähmungen, Übelkeit und Erbrechen, Nervenschmerz bei bestimmten Krankheiten oder Therapien wie AIDS etc. Nach heutigem Kennnisstand lässt es sich durchaus über pharmakologische Wirkungen bestimmter Cannabis-Inhaltsstoffe (z.B. Tetrahydrocannabinol) ableiten. Weiteres zu Cannabis als Arzneimittel hier.
Schmerzmittel “Opioide”
August 17, 2010“Opioide” umfasst eine Gruppe Stoffe, die “Morphin-artige” Eigenschaften zeigen. Sie werden noch unterschieden in “körpereigene” Opioide (vom Körper erstellt und dort zwecks Schmerz-Unterdrückung bei “Stress” ausgeschüttet) und “exogene” (chemisch-synthetische) Opioide, die als Medikamente eingesetzt werden. Deren wichtigste medizinische Anwendung ist Behandlung starker Schmerzen. Ihre Wirkung entfalten die Opoioide über spezielle “Andock-Stellen” im Körper (“Opioid Rezeptoren”). Diese befinden sich vor allem in Gehirn und Rückmark, aber auch im Darm. Die Wirkstärke der verschiedenen Opioide wird jeweils relativ zu der von Morphin angegeben.
Opioide können zahlreiche Nebenwirkungen hervorrufen. Praktisch bedeutsam, da durchaus häufiger, sind die “spastische” (“krampfartige”) Verstopfung des Darms und Entleerungsstörungen der Harn-Blase (“Harn-Sperre”). Zudem können Opioide über Druck-Erhöhung in den Gallengängen kolikartige Schmerzen bewirken, aber auch Entzündungen der Bauchspeicheldrüse herbeiführen. Häufiger tritt ein Juckreiz auf. Bei Gesunden besteht durch ihre “euphorisierende” (“stimmungssteigernde”) Wirkung Missbrauchspotenzial und Sucht-Gefahr. Daher unterliegen sie strenger Verschreibungspflicht.
Bald medizinische Diagnose über Internet ?
August 15, 2010Was lange technisch kaum möglich schien, könnte für das Internet gelungen sein. Erstmals wurde ein Diagnose-System “PYTARG” (Beta-Version) vorgestellt, das User (kostenlos) zum Auffinden eines individuellen Krankheits-Bildes führt. (...mehr zum Hintergrund). Es unterscheidet sich völlig vom Angebot sogenannter “Symptom-Checker”.
Hierzu gibt es zu PYTARG bei YouTube auch ein erstes Lern-Video
Rückenschmerz – Lokale Therapien
August 3, 2010Eine lokale Therapie von Rückenschmerzen ist eine “örtliche” Behandlung, Sie erfolgt daher direkt am Ort des Schmerzes. Im Vergleich zur Tabletten-Einnahme (wo sich der Wirkstoff erst im ganzen Körper verteilt) zeigt sie weniger Nebenwirkungen. Ein schon älteres lokales Konzept zielt auf Verbesserung der Durchbblutung mit sogenannten “Wärmepflastern” (auch mit Wirkstoffen wie z.B. Capsaicin). Ein neueres lokales Konzept zielt auf “Beruhigung” gereizter Nerven. Es setzt Pflaster mit sogenannten Lokalanästhetika (Mittel zur örtlichen “Betäubung”) ein.
Lokalanästhetika funktionieren wie eine Art „Firewall”, indem sie die Signale überreizter Nerven zum Gehirn “aufhalten” (“modulieren”). Über Haut-Pflaster lassen sich diese hochwirksamen Stoffe in schon so geringen Dosen einsetzen, dass sie zwar als “neuronale” Schmerzsenker wirken aber noch keine lokale Anästhesie erzeugen. Dies Konzept hat sich auch schon bei Behandlung des oft quälenden Herpes Zoster Nervenschmerz (“Gürtelrose”) bewährt.
Calcium – Risiko Herzinfarkt – Arteriosklerose
July 31, 2010Calcium-Zufuhr ist nur gut für “starke” Knochen? Schon seit einiger Zeit bestehen hier Zweifel. So zeigten schon frühere Studien dass Calcium-Präparate auch das Risiko an Herzinfarkt steigern. In einer neuen Übersichtsstudie wurde nun mehrere klinische Studien analysiert. Ergebnis: Calcium-Präparate wiesen (unabhängig von Geschlecht, Alter, Präparat) auf Anstieg im Herzinfarktrisiko hin. Höheres Calcium im Blut, so Vermutung, könnte Kalk-Ablagerung (“Plaques”) in Blutgefässen bewirken. Mögliche Folgen: Infarkt oder Schlaganfall. Tatsächlich beobachteten Wissenschaftler schon eine erhöhte Zahl Schlaganfälle und Todesfälle bei längerer Einnahme von Calcium-Präparaten.
Das Ergebnis ist auch in Übereinkunft mit eigenen Arbeiten, wonach erhöhtes Calcium in der Zelle zunächst zu Arteriosklerose und hierüber Herzinfarkt führen kann. Als Modell dort dienten häufige Schmerzmittel, die über Einfluss auf das Zell-Calcium, ähnliche negative Effekte an Gefässen bewirken können.
Cholesterin-Senkung – kein vorbeugender Nutzen
July 27, 2010Die Behauptung Cholesterin-Senkung beugt “Herz-Risiko” vor hält auch weiterhin nicht stand. So summiert nun eine aktuelle wissenschaftliche Analyse mehrerer klinischer Studien (Arch Intern Med. (2010) 170,1024/ insgesamt ca. 65,000 Teilnehmer) „fanden keinen Vorteil bei Gesamtsterblichkeit (bei sogenannten Statinen).
Ein anderer Studien Review geht noch stärker ran: sagt sinngemäss: Daten geben keinen Hinweis auf einen Effekt zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, allerdings “Anlass zu Besorgnis” wie man Studien schönen ḱann. Zu diesem “Nutzen“ hier noch zu Risiken chemischer Cholesterin Senker.
Rückenschmerz und Stress
July 24, 2010Rückenschmerzen können recht unterschiedliche Gründe haben. Häufige organische Ursachen sind Funktionsstörungen der Wirbelsäulen-Gelenke sowie Bandscheiben-Schäden. Häufig ist aber die Ursache “nur” eine muskuläre „Verspannung“ durch psychischen Stress. Hier liegt also für die Schmerzen kein greifbarer organischer Befund an der Wirbelsäule vor. Vielmehr kann man dies als eine Art „Übertragung“ aus einer “gedrückten” oder “angespannten” Stimmung auffassen, die z.B. durch Angst oder Ärger entstehen kann. Die Gefühle “verlagern” sich daher gewissermassen auf eine körperliche Ebene.
Hier liegen daher Hilfsmöglichkeiten. Studien belegen, dass psycho-therapeutische Massnahmen zur Besserung von Rückenschmerz beitragen können. Ein ähnlicher Weg – allerdings medikamentös - scheint für Tranquilizer vorzuliegen, die über ihre “Angstlösung” auch die Muskelverspannung positiv beeinflussen. Gleiches gilt für körperliche “Entspannungstechniken” z.B. Muskelrelaxation. “Entspannung” durch “Anti-Stress Massnahmen” kann somit erheblich zur Besserung von Rückenschmerzen beitragen
Stress – “Tranquilizer”
July 20, 2010Bestimmte Arzneimittel zur “psychischen Entspannung” werden als “minor Tranquilizer“ bezeichnet. Ihr Beginn kann im wesentlichen auf die in den 1960er Jahren entstandene chemisch neue Gruppe “Benzodiazepine” zurückgeführt werden. Zuerst entstand ein Stoff Chlordiazepoxid (“Librium”), dem u.a. Diazepam (“Valium”) folgte. Schon in ersten Anwendungen war auffällig, dass Tiere durch diese Stoffe ihre Ängstlichkeit und Aggressivität verloren. Daher sprach man zunächst von „zähmendem“ Effekt. Durch Ermittlung ihres Angriffspunktes im Gehirn ließ sich auch die Rolle des sogenannten “limbischen Systems” (“emotionales Gehirn”) besser verstehen. Sein Einbezug bei Angst und Aggression zeigte sich bei Dämpfung dortiger Strukturen. So konnte dann der „tranquilisierende“ („beruhigende“) Effekt weiter ausgearbeitet werden. “Anti-depressive” Wirkungen ließen sich aber nicht finden.
Seitdem werden diese Stoffe medizinisch als „Tranquilizer“ (“Beruhigungsmittel”) und “Anxiolytika“ (‘Angst-Löser’) genutzt, also gegen Beschwerden, die durch Angst, „Verspannung“, “innere Unruhe” hervorgerufen sind. Da Wechsel-Beziehungen zwischen Angst, muskulärer Verspannung und Schmerz bestehen kommen sie auch bei verschiedenen, körperlich schmerzhaften, „Verspannungs-Zuständen“ zum Einsatz.
Stress und Oxytocin
July 14, 2010Während Männer ihre täglichen Herausforderungen eher bekämpfen, oder schon mal vor ihnen flüchten, gehen Frauen ihren Stress scheinbar anders an. So setzen diese mehr auf Gespräche und Hilfen.
Eine Ursache hierfür kann das Hormon Oxytocin sein. Dieses aktiviert nicht nur den weiblichen Körper im Orgasmus sondern es wirkt auch psychisch ausgleichend und (im Tierversuch) auch angstlösend und antidepressiv. Männer produzieren zwar ebenfalls Oxytocin, doch möglicherweise schwächen männliche Sexualhormone die Wirkung ab.
Rückenschmerz – Glucosamin nicht besser als Placebo
July 8, 2010Der Stoff Glucosamin hilft bei chronischem Rückenschmerz nicht besser als ein Placebo (Scheinmedikament). Zu diesem Schluss kommt eine neue klinische Studie im Journal of the American Medical Association. Mittel mit diesem Stoff, der in vielen so-genannten Supplementen enthalten ist, werden daher für dieses Krankheitsbild nicht empfohlen.
Wie hier schon früher bei Schmerz und Placebo mitgeteilt, ist Schmerz ja auch ein Phänomen das erhebliche Reaktionen auf Placebos zeigen kann.

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